Die treuen Leser dieser Kolumne wissen, dass ich in einer wohlhabenden Wohngegend Zeitungen austrage. Ich hole meine Pakete mit den Zeitungen frühmorgens an einer großen Tankstelle ab, die Tag und Nacht geöffnet ist. Als ich vor ein paar Tagen morgens meine Zeitungen sortierte und einpackte, radelten zwei ältere, gut gekleidete Schülerinnen auf mich zu.
Die eine Schülerin verschwand im Tankstellenshop, die andere setzte sich auf einen Stapel von Zeitungen, die ein anderer Kollege verteilen mußte. Dann fragte sie mich: ‚Können Sie mir eine Zeitung geben?' Ich schaute sie kurz an und antwortete: ‚Nein! Sie sehen nicht so aus, als ob Sie sich keine Zeitung kaufen könnten.' Darauf antwortete die junge Dame: ‚Das ist insofern in Ordnung, weil wir ja auch die Zeitung zuhause haben.' Ich antwortete: ‚Das ist nicht nur insofern in Ordnung, das ist völlig in Ordnung, dass ich Ihnen keine Zeitung schenke.'
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Eine Schweigepause entstand. Dann fragte Sie mich in einem gönnerhaften Ton: ‚Wo fahren Sie denn überall hin mit den Zeitungen?' Ich mußte deutlich werden: ‚Ich möchte mich nicht mit Ihnen unterhalten.' Daraufhin kam ein kurzes, leicht verschnupftes: ‚OK'
Fast im gleichen Moment kam die andere Schülerin aus dem Tankstellenshop gestürmt und rief ihre Freundin in empörtem Tonfall zu: ‚Ich muß dir etwas erzählen!' Und die Freundin antwortete ebenso empört: ‚Ich dir auch!' Dann rauschten sie davon.
Später erzählte mir der Mann, der im Tankstellenshop arbeitet, was passiert war. Die Schülerin hatte ihn - offenbar ebenso gönnerhaft -gefragt: ‚Ist es nachts nicht langweilig hier?' Darauf hatte er geantwortet: ‚Nein, es kommt immer jemand rein, der fragt: ‚Ist es nachts nicht langweilig hier?'
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